Donnerstag, 3. August 2017

Jung - mittel – alt

Was ist davon gut oder besser? Was ist gar schlecht? Also junger Gouda schmeckt mir besser als alter, aber alter Wein schmeckt mir besser, als junger! J - Das meine ich natürlich nicht, wie ihr euch denken könnt. Ich meine uns Menschen.
In manchen Kulturen werden und wurden ältere Menschen sehr geachtet. In den asiatischen Ländern zum Beispiel. Hier in unseren Breitengraden war das schon immer etwas anders. Dennoch habe ich das Gefühl, dass man früher vor dem Alter mehr Respekt hatte.
Ich erinnere mich an eine Familie, die vor Jahnzehnten aus Kasachstan hier in unsere Gemeinde kam. Sie wurden unsere Nachbarn. Unsere Tochter spielte mit den Kindern. Auch wir Erwachsenen verstanden uns gut. Damals lebte meine Mutter noch und sie bot wie selbstverständlich das Du an und ich hab noch im Ohr, wie die junge Familie dies vehement ablehnte – aus Erfurcht vor ihrem Alter.
Früher waren die Alten ganz selbstverständlich für die Kleinen da. Sie hüteten sie, während die Eltern arbeiteten. Damals hatten die Alten noch einen Platz im Gefüge der Familie. Sie standen am Ende einer Kette – die Kinder am Anfang.
Als Kind hatte man zu  gehorchen: ‚Kinder soll man sehen, aber nicht hören’, war ein beliebter Satz. ‚Mach einen Knicks’, ‚Mach einen Diener’, ‚Gib die schöne Hand’. Das erinnert eher an den Umgangston in einer Kaserne. 
Wenn ich heute die oft sehr selbstbewussten Kinder beobachte, frage ich mich: Wann kam in dieser Beziehung eigentlich die Wende? Eines galt aber damals genau wie heute:  Alle Jugendlichen wollen möglichst schnell ‚groß’ werden, um zu dem (scheinbar) exklusiven Club der Erwachsenen dazu zu gehören.
Wenn ich an die Männer meiner Kindheit zurück denke, kommt es mir so vor, als wenn die ‚gestandenen Männer mittleren Alters’ sehr stolz waren auf alles, was sie erreicht hatten. Aus diesem Stolz heraus präsentierten sie neben allem Materiellen, was sie vorzuweisen hatten, gerne wohlerzogene Kinder und ‚adrette’ Frauen.

Nostalgie bilder

Ich erinnere mich in diesem Moment an die Sonntagsauflüge. Man ‚putzte’ sich heraus. Mein Vater trug an jedem Sonntag Anzug und Krawatte. Wir Kinder hatten auch Sonntagskleidung, die wir natürlich nicht schmutzig machen durften. – Ach Kinder, wie die Zeit vergeht und was sich alles mit ihr ändert!


Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    es ändert sich immer, und vieles ist gut, vieles nicht. Das war immer schon so, meine ich. Respekt vor dem Alter und vor den Erwachsenen und Alten zu haben, setzt aber auch voraus, dass sie selbst respektvoll sein dürfen. Ich kann nicht vom einem Kind verlangen, dass es ehrfürchtig zu einem Erwachsenen aufschaut, wenn er selbst nicht respektvoll mit dem Kind umgeht. Ehrlich gesagt, wenn ich alte Menschen beobachte, wie vergrämt, wie engstirnig, wie verbohrt sie sind, dann möchte ich nicht, dass meine Kinder ihnen mit Respekt begegnen, denn es gibt hier nichts, was ich als Vorbild empfinde. Da hilft dann nur anerzogenes und "gemusstes" Verhalten, so wie Du es beschreibst. Das hat für mich nichts Natürliches. Kinder spüren es noch, wenn Menschen nicht authentisch sind, den Schein wahren und das Sein nicht leben. Da würde ich dem Kind nie Respekt abverlangen wollen.

    Ein Kind reagiert ganz natürlich auf sein Gegenüber - und Du siehst den Spiegel in ihm.

    Wenn wir selbst so sind, wie wir uns wünschen, dass der andere sein soll, lösen sich die Meisten Dinge von selbst und dann ist es auch einerlei, ob der andere so ist oder nicht - alles klar, oder?

    Herzlichst Veronika

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    1. Ja, Veränderung ist ein natürlicher Prozess. - Selbstverständlich gilt ein respektvolles Miteinander für jung UND alt. Da gebe ich dir recht und auch damit, dass viele ältere Menschen vergrämt sind. Doch sollten wir uns nicht fragen, weshalb das so ist? Was lässt so sein oder werden? Ich glaube nicht, dass diese Menschen sich in jüngeren Jahren vorstellen konnten, mal so zu werden, nämlich vergrämt oder engstirnig, wie du schreibst. - Und Gott sei Dank sind das nicht alle. - Oh ja, Kinder spüren sehr genau, wie ihr Gegenüber 'tickt'. Bei unseren Enkeln war das sehr ausgeprägt. Als Babys haben sie bestimmte Menschen angeschrien, sobald sie sich ihnen näherten. - Und ja, alles klar: Wir verändern den anderen, indem wir uns verändern und uns so verhalten, wie wir es uns von unserem Gegenüber wünschen! :-) LG Martina

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    2. Ich frage mich schon lange nicht mehr, warum Menschen sind wie sie sind. Es gibt eine Geschichte ihres Lebens, es gibt eine Geschichte ihrer Ahnen, alles ist miteinander verwoben, wir können es nicht begreifen, nicht mal erahnen. Wir können nur beobachten, am besten erst mal uns selbst.

      André Heller sagte mal in einem Interview, dass er dankbar für seine Eltern ist, weil sie ihm Beispiel waren, wie er nie sein will. Das ist mal ne Ansage. Aber es setzt eben Reflexion voraus, eine Eigenschaft, die nicht einfach ist, aber erarbeitet werden kann.

      Glg Veronika

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    3. Klar, bei sich selbst anzufangen macht ganz sicher Sinn, doch ist es nicht so, dass wir andere besser verstehen und mehr Verständnis für sie aufbringen können, wenn wir hinterfragen, warum sie so sind, wie sie sind? - Zu der Aussage von André Heller: Das ist schon echt krass, wenn das jemand sagt. Aber gut. Vielleicht war das der Grund, warum er in diese Familie hinein geboren wurde.
      Dir einen schönen Abend und Danke dir für deine Kommentare! Martina

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  2. Respekt gegenüber den Älteren mit Knicks und Diener ist heute wohl zu viel verlangt, aber angemessenes Verhalten bzw. Benehmen darf man schon erwarten. Das setzt aber entsprechende Vorbilder voraus. Denn die Kinder schauen sich viel von den Erwachsenen ab. Dennoch ist es nötig, auch Grenzen zu setzen und ohne Regeln geht es nicht.
    LG Elke

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    1. Um Himmels willen, die Zeit von Knicks und Diener wollen wir uns nicht zurück wünschen! :-) - Wir Erwachsenen sollten den Kindern Vorbilder sein. Das sehe ich wie du und ein respektvolles Miteinander sollten wir nicht nur von den Kindern erwarten, sondern es ihnen vorleben!
      LG Martina

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  3. Liebe Martina , alles das was du schreibst kenne ich zur Genüge, erinnere mich daran mit guten und schlechten Gedanken.Gutes benehmen hat nie geschadet. Respeckt heißt sicher nicht Ehrfurcht vor Erwachsenen, aber Benehmen und gewisse Regeln einhalten in der Gesellschaft. Da fehlt es aber nicht nur bei den Kindern.Respeckt habe ich vor alten Menschen und ihren Lebenserfahrungen. Freundlichkeit gegen jedermann, ein Versuch ist es immer wert, ob es wert geschätzt wird ist sicher fraglich."was Hähnschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", eine Weisheit die oft zutrifft.Ich habe gelernt mich anderen anständig gegenüber zu benehmen, aber wer mich angreift dem begegne ich dementsprechend.Wehren darf man sich mit Fairnis
    In der Kindheit werden die Grundbegriffe guten Benehmens im Umgang mit den Menschen gelehrt. Die Lehrer in den Schulen habenes schwer, auszubaden was im Elternhaus versäumt wird. Achtung vor unseren Mitmenschen haben, egal wie alt das können Kinder lernen!
    Da könnte ich auch wieder schreiben, aber die Müdigkeit übermannt mich, liebe grüße Martina zu Dir,
    Klärchen

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    1. Mein Opa sagte immer: Bis ein Kind 5 Jahre alt ist, muss seine Erziehung abgeschlossen sein. Soviel zu Hänschen und Hans! :-) - Bei den Nachbarn war es wirklich so, dass das Wort 'Ehrfurcht' in Bezug auf ältere Menschen zutrifft. Sie siezten auch ihre Eltern - und obwohl inzwischen längst erwachsen, war da immer auch ein bisschen 'Furcht' vor dem Vater. - Achtung vor den Mitmenschen - am besten Achtung vor allem, was uns begegnet, auch gegenüber der Natur, kann niemals falsch sein! LG Martina

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  4. Ja Martina,
    alles ändert sich, das ist das Leben.
    Und was glaubst du, was in 50 Jahren unsere Enkel über uns und unsere Zeit sagen werden . . . ;-)
    ♥lichst Jutta

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    1. Oh ganz gewiss werden sie über uns und unser Tun und Denken schmunzeln. :-)

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  5. An der Stelle mit der Familie aus Kasachstan habe ich geschmunzelt, weil ich auch ältere Menschen nie duzten würde, das tue ich auch nicht bei gleichaltrigen und sogen jungen Menschen, die ich nicht gut kenne. Hier, in der Bloggerwelt ist alles anders und das ist für mich auch ganz „normal“ und fühlt sich gut an.
    Sei anderen gegenüber so, wie du auch von denen oder anderen behandelt werden möchtest – ist, in meinem Empfinden, ein guter Wegweiser durch den Tag.
    Wir wissen nicht, was das Leben mit uns vorhat, wir wissen nicht, was für ein Schicksal anderen Menschen wiederfahren ist, und diese Unwissenheit, wenn sie uns dazu bringt, mehr Respekt und mehr Mitgefühl sich selbst und anderen gegenüber zu entwickeln, führt uns auch gut durch das Leben.
    Wieder ein spannendes Thema, liebe Martina, der zu mehr Nachdenken anregt.
    Alles Liebe von der Grażyna

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    1. Verständnis für andere zu haben und ein Hinterfragen, warum sie so sind, wie sie nun mal sind, erscheint mir im Zusammensein und -leben mit anderen sehr wichtig. Wenn ich anderen mit Respekt und Verständnis begegne, darf ich dies auch von ihnen erwarten. Bleibt dies aus, darf ich mich zurückziehen und erkennen, dass es dann wohl zwischenmenschlich nicht passt! LG Martina

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  6. ein Thema das gut in die heutige Zeit passt liebe Martina in der immer wieder und verstärkt vielen der Respekt anderen gegenüber fehlt. Gutes Benehmen sollte selbstverständlich sein, früher nannte man das; man "kam" aus einer guten Kinderstube) was nicht mehr heißt als dass die Eltern es einem beigebracht haben, auf unterschiedlichste Art und Weise, durch Strenge, auch Liebe, durch das Vorbild das man selbst lebte und weitergab.
    Weenn ich heute sehe dass sich vierzehnjährige und jüngere am Esstisch/im Lokal oder auf Stühlen herumpflanzen, die Ellbogen beim Essen auf dem Tisch liegen haben, nicht wissen wozu eine serviette da ist, dann denke ich oft, ach herrje, hats ihnen wirklich niemand gezeigt und beigebracht, wie werden sie später mal durchs Leben mit anderen gehen.
    In der Tanzstunde wurde gutes Benehmen gezeigt. heute auch noch? fraglich - ich zweifle...
    es scheint zu einer anderen zeit zu gehören und das bedaure ich oft obwohl ich sicher auch mit der Zeit gehe"! und oftmals gelernt habe zu tolerieren was früher als unmöglich galt...
    gutes Thema, das gerne mit aufgreife, gerade darum weil mir Höflichkeit anderen gegenüber wichtig ist.
    herzlichst Angelface

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    1. Einem 14jährigen würde ich dieses Benehmen evtl. verzeihen - vielleicht tat er es aus Protest den Eltern gegenüber. :-) - Aber natürlich hast du recht: Gutes Benehmen kann nicht schaden und macht allgemein im Zusammenleben mit anderen einiges angenehmer! LG Martina

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  7. Hallo Martina,
    ja so ändern sich die Zeiten. In der Lehre musste man manch' Erledigung für die Alt-Chefin machen die nicht unbedingt was mit der Firma zu tun hatte. Aber man machte es gerne. Heute glaube ich, dass die Azubis sagen würde, dass das nicht zu ihrem Job gehört!
    Das mit dem Duzen ist hier auf dem Lande ja ganz normal, aber nicht bei älteren Menschen, da ist es tabu! Allerdings sagen die Freunde der Kids auch alle Du zu mir, was mir nichts ausmacht, aber wenn ich so zurückdenke war das in meiner Jugend nicht der Fall. Zu meiner Mama sagten alle Sie! Aber auch im Kindergarten sagten wir immer Tante soundso und heute sagen alle nur noch den Vornamen....!
    Es ändert sich, manches gut, manches blöde!
    LG zu Dir
    Manu

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    1. Das man heute von den Freunden der Kinder geduzt wird, das kenne ich auch (obwohl ich um einiges älter bin als du) :-)! Wenn ich an meine Schwiegereltern denke, damals war das noch ganz anders. Mir wurde das Du erst nach der Verlobung angeboten. 40 Jahre später schmunzelt man darüber! :-) LG Martina

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  8. Liebe Martina, ja die Erziehung. Klar früher das war zu heftig, Kaserne!Aber heutzutage ist das auch nichts. Erziehen sollen die Einrichtungen Schule und Kindergarten. Eltern haben keine Zeit. Kinder dürfen heute alles. Sie haben vor nichts Respekt. Arme Lehrer, arme Erzieher, arme Eltern, arme Menschheit. Und ob die Alten da respektiert werden, bezweifele ich sehr. Liebe Grüße Eva

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    1. Liebe Eva, jetzt muss ich ein bisschen schmunzeln, weil die ältere Generation schon immer über die Jugend geschimpft hat und schon immer sah man die Welt deshalb untergehen - lach. Was ich sagen möchte: Wir sollten nicht alle Eltern und Kinder über einen Kamm scheren. Ja, es gibt sicher Kinder, die schlecht erzogen sind. Aber es sind nicht alle! - LG Martina

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  9. Liebe Martina,
    auch wenn meine Eltern die Nachbarn und Freunde geduzt haben, wir Kinder sagten zu allen Erwachsenen "Sie". Das gehörte sich so. Und als ich dann erwachsen war, empfand ich es als selbstverständlich, dass sie mich weiterhin duzten und ich das Sie benutzte, außer die Älteren boten mir das Du an.
    Erst vorgestern traf ich nach Jahrzehnten die Mutter meiner Schulfreundin zufällig wieder. Sie sagte sofort "Sie" zu mir, was ich sehr komisch fand und sofort meinte, dass sie mich weiter duzen könne. Das ist einfach noch so drin in mir :-).
    LG
    Astrid

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    1. Bei uns auf dem Dorf war es so, dass alle älteren Menschen für uns 'Onkel' oder 'Tante' waren. Ganz egal, ob man mit ihnen verwandt war oder nicht. Das hat sich heute grundlegend geändert. Selbst in der Verwandtschaft wird ja nicht mehr Onkel und Tante gesagt, sondern nur noch der Vorname. - Was ich immer komisch finde ist, wenn man frühere Lehrer trifft und die plötzlich Sie sagen! :-) LG Martina

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